Psalm 36,10
Predigt zur Jubelkonfirmation
21. Juni 2009 – St. Stephan
Liebe Gemeinde,
liebe Konfirmationsjubilarinnen und –Jubilare,
Sie erinnern sich heute mit Freude und vielleicht Wehmut, ein wenig lächelnd oder bekümmert, wie Sie, mit wem Sie und wo Sie Konfirmation gefeiert haben - vor vielen Jahren oder runden 50, 60, oder wie Frau Hofmann vor 70 Jahren oder wie Frau Schumacher vor 75 Jahren.
Bei mir sind es 46 Jahre her. Konfirmation in der Stiftskirche zu Feuchtwangen. Dazu mein Konfirmationsspruch aus dem 1. Timotheusbrief: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, dazu du berufen bist.
Bestimmt haben viele von Ihnen auch nach Bildern von Ihrer Konfirmation und vielleicht auch nach ihrem Konfirmationsspruch geforscht und ihn gefunden und nachgedacht, was er ihnen sagt, bedeutet hat, jetzt bedeutet. Ein Wort fürs Leben, ein Wort für den weiteren Weg sollte er sein, begleitend, berührend, wirksam, hilfreich, so wie beim Beter eines Psalms:
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Dieses Psalmwort geben wir Ihnen heute mit – geschrieben auf dem Gedenkschein.
Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Ja, damals, da war alles anders in der Präparandenzeit, in der Konfirmandenzeit. Die Pfarrer, Pfarrerinnen gab es nicht, waren meistens streng, aber auch gütig. Meiner, der gute Pfarrer Löhr, war so, unvergessen. Sein Name ist mir gleich wieder eingefallen. Aber, wie gesagt, streng ging es zu. Und wir, Sie, liebe Jubilare, mussten viel lernen. Psalmen, Lieder, den Kleinen Katechismus, die Namen der Bücher der Bibel und noch viel mehr. Wir haben gestöhnt, geklagt, geseufzt und: gelernt. Und schließlich die – nicht leichte – Konfirmandenprüfung bestanden. Ich denke, durchgefallen ist auch damals niemand. Aber Angst war da schon mit dabei, oder wenigstens waren wir nervös und aufgeregt.
Heute ist da vieles anders. Und ich sage: gut so! Pfarrer Dolling könnte Ihnen da aktuell dazu berichten. Von mir nur so viel: Heute gibt es Konficamp und Übernachtung in der Kirche und andere Events, Besuch machen in Seniorenheimen, statt Prüfung einen Vorstellungsgottesdienst - von den Konfis selbst gestaltet, eindrücklich, bewegend, tiefgehend, mit großem Ernst. Und mehr oder minder nervös und aufgeregt sind sie immer noch dabei.
Und auswendig lernen müssen sie auch heutzutage. Nicht mehr so viel, aber genug. Und wer weiß, manche von ihnen stöhnen darüber, so wie Sie, wir damals.
Auswendig: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir…Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“
Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht. Ich war schon oft froh, dass ich den Psalm vom Herrn als meinem Hirten, Psalm 23, gelernt habe, immer bei mir habe. Er hat mir schon so oft geholfen, getröstet wunderbar, mich und Menschen, denen nach Trost bange war, die untröstlich waren, die keine Hoffnung mehr sahen, spürten.
Sie haben erfahren: Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Und da sind noch viele Worte der Bibel, Worte von Jesus Christus, Worte des lebendigen Gottes, einmal auswendig gelernt, immer bei einem, die Halt geben, trösten, Hoffnung, Vertrauen wecken können, Lasten erträglicher machen, einen auf Gott aufmerksam machen, zu ihm führen, ihn spüren lassen: seine Nähe, seine Liebe, das Heil, für das er uns bereitet hat.
Von Pfarrer Friedrich Walz, so früh gestorben, ist - für mich tief bewegend - zu hören:
„Dann kam der Tag der Operation. Ich erinnere mich genau, wie ich beten wollte. Als erstes fiel mir das Vaterunser ein. Danach –vielleicht war es schon beim Hinüberdämmern – erschrak ich, weil ich dachte, jetzt fällt mir nichts mehr ein. Und dann kamen die Gebete aus der Kinderzeit. Paul Gerhardts Worte:
Breit´aus die Flügel beide,
o Jesu, meine Freude,
und nimm dein Küchlein ein.
Will Satan mich verschlingen,
so laß die Englein singen:
dies Kind soll unverletzet sein.
Was nun tatsächlich die letzten Worte waren, kann ich nicht mehr sagen. Hinterher, heute sage ich: Ich bin sehr froh, daß, als wir kleine Kinder waren, die Mutter mit uns gebetet und uns diese einfachen Verse beigebracht hat. Sicher nicht mit dem Ziel, daß diese Worte dann fast ein halbes Jahrhundert später einen ausgewachsenen Pfarrer im Operationssaal trösten. Hinterher, heute frage ich auch: Was ist mit all den Kindern, die das heute nicht mehr so erfahren? Mit denen niemand betet? Was wird die im Jahr 2030 trösten…?“
Denn bei dir, bei ihm, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in seinem Lichte sehen wir das Licht.
Bei ihm ist die Quelle des Lebens, eine unerschöpfliche Quelle.
Wie Ihn, dieses Licht, diese Quelle finden? Er lässt sich finden
im Hören auf seine Worte, wenn wir beten, wenn wir Gottesdienst feiern, wenn wir da sind für die geringsten seiner Schwestern und Brüder: Was ihr getan habt einem, einer von diesen, sagt er uns, das habt ihr mir getan.
Er lässt sich finden, er findet uns, begegnet uns und lässt uns spüren, Christus: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
Er lässt sich finden, wenn wir zu ihm kommen. Er lädt uns dazu ein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen sein seid; ich will euch erquicken.“
Er lässt sich finden, er findet uns – auch in der Stille, wenn wir schweigen - als Quelle des Lebens hin zum ewigen Leben und als Licht in der Dunkelheit. In seinem Licht ist für uns ein Licht, ist uns ein Licht geschenkt in der Finsternis und am hellen Tag. Licht vom Licht, Gott von Gott, Jesus Christus.
„Gott“, hat Frère Roger von Taizé gesagt, „Gott ist ganz Licht –so sehr, daß wir ihn nicht sehen können. Er ist ein Gott, vor dem unsere Augen blind werden. Christus fängt dieses verzehrende Feuer auf und läßt Gott durch seine Einfachheit durchscheinen. Ob man es weiß oder nicht, Christus ist da, jedem ganz nah. Er ist da wie ein unbemerkter Begleiter, wie Licht in unserer Finsternis, wie ein brennendes Feuer im Herzen des Menschen.“
Bei ihm ist die Quelle des Lebens, und in seinem Lichte sehen wir das Licht.
Bleibt zu bitten, zu beten:
Du Gott des Lebens;
du Licht, das Dunkelheiten hell macht;
du Quelle, die nie versiegt;
du Stimme, die jeden und jede
beim Namen ruft;
du Hoffnung für alle Tage;
dich loben und preisen wir
mit Herzen, Mund und Händen.
Amen.